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Weltwirtschaftskrise und Hungerkanzler Brüning

Mit dem Börsenkrach in New York versiegten in Deutschland die amerikanischen Kapitalströme, Kredite wurden gekündigt, kurzum: der Welthandel lag in Trümmern. Der Export in Deutschland ging um zweidrittel zurück, die Arbeitslosen stiegen von 1,9 Millionen im Jahre 1929 auf 6 Millionen Anfang 1932.

Am 30. März 1930 nahm der ehemalige Kriegswillige und Frontkämpfer Heinrich Brüning im Auftrag von Reichspräsident Paul von Hindenburg in soldatischer Pflicht den „Kampf“ gegen die Finanzmisere auf. Die Große Koalition unter Kanzler Hans Luther war daran gescheitert. Als sich der Fraktionsvorsitzende des Zentrums an die Arbeit machte, konnte er sich auf das Präsidialsystems inclusive den Artikel 48 und den Beistand der Reichswehr stützen. Artikel 48 der Verfassung war das Werkzeug, mit dem Hindenburg die Vorhaben von Brüning auch gegen den Willen des Parlamentes absicherte. Seine eigene Partei – das katholische Zentrum – stellte ihn nie in Frage.

Besonders die NSDAP profitierte von der Wirtschaftskrise und dem schwindenden Vertrauen in das Weimarer System. Als das Parlament nicht so spurte wie Hindenburg wollte, löste er es im Juli 1930 auf und setzte für September 1930 Neuwahlen an. Daraus ging die NSDAP als zweitstärkste Fraktion hervor.

Eine Kanzlerschaft von Hindenburgs Gnaden bedeutete für Brüning natürlich eine Bevorzugung der Landwirtschaft und der Junker – der ostelbischen Großgrundbesitzer – von denen Hindenburg, als stolzer Herr von Gut Neudeck in Ostpreußen, einer war. Als Brüning im Frühjahr 1931 die Osthilfe für die Großgrundbesitzer streichen und Neubauern auf bankrotten Junker-Gütern ansiedeln wollte – von den Junkers als „Agrarbolschewismus“ denunziert – ließ Hindenburg ihn fallen. Dies führte zu seinem späteren Sturz.

In den 26 Monaten zwischen Ernennung und Rausschmiss -genau genommen trat Brünning am 30. Mai 1932 zurück – hielt sich der Kanzler mit Notverordnungen, gemäß Artikel 48, über Wasser.
Der Schrecken der Inflation von 1923 saß noch tief, und so verlangte der asketische Brüning von den deutschen -1 Opfer, Entbehrungen, Verzicht und noch mehr Sparsamkeit auch von denen, die ohnehin hungerten. Dies brachte ihm den Beinamen „Hungerkanzler“ ein. Alles wurde gesenkt, die Löhne, Diäten, Pensionen, die Arbeitslosenversicherung, die Preise und die Mieten. Zum Ausgleich für den Haushalt wurden die Steuern erhöht. Nur in die Agrarwirtschaft wurden große Summen gepumpt, wie es Reichspräsident Hindenburg erwartete. Und alle waren unzufrieden. Die Menschen und die Industrie über die ungerechte Verteilung der Lasten und die Junker, dass sie zu wenig bekamen.

Erst später stellte sich heraus, dass Brüning durch die Demonstration einer Zahlungsunfähigkeit das Deutsche Reich von den Reparationszahlungen des Versailler Vertrages zu befreien hoffte, um die deutsche Souveränität zurück zu erlangen. Im Januar 1932 verlangte der Kanzler dann auch die Einstellung der Reparationszahlungen.

Eingestellt wurden die Zahlungs-Forderungen der Siegermächte des 1. Weltkrieges aber erst unter dem nächsten Kanzler Franz von Papen. Dass dies nun Brünings Verdienst war, ist schwer zu glauben. Eher waren es die Folgen der Weltwirtschaftskrise, die im Sommer 1932 auf der Konferenz von Lausanne, die Deutschen von den Reparationsverpflichtungen befreite.

Quellen:
-1: Detlef Junker in: Wilhelm von Sternberg (Hg.): Die deutschen Kanzler; Fischer Taschenbuch Verlag, 1994, Seite 315