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Verschmelzung der Arbeiterparteien

Anfangs tolerierten die Sowjets in der kommunistisch kontrollierten Besatzungszone, aus der später die DDR wurde, alle Parteien, die als antifaschistisch galten: SPD, CDU, LDPD und die KPD. Die „Gruppe Ulbrich“, ehemalige deutsche KPD-Mitglieder, wurden aus dem Moskauer Exil eingeflogen. Sie hatten ein fertiges Konzept für ein neues Deutschland in der Tasche. Ein wichtiger Punkt war, die Verhinderung linker Sektierer, hatte diese Uneinigkeit doch in der Weimarer Republik den Nazis mit den Weg bereitet. Und die Vollendung der bürgerlichen Revolution. Komischerweise waren es eher SPD-Mitglieder, die einer Verschmelzung der beiden Arbeiter-Parteien SPD und KPD befürworteten. -1 Vorstände ganzer Landesverbände der SPD in Sachsen, Thüringen und Mecklenburg (votierten) für den Zusammenschluss mit der KPD. Einen Anfang machte die Gründung des „Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes“, als eine Art überparteiliche Verschmelzung.

Im April wurden die SPD und die KPD dann zur SED vereint, und zwar mit einer mehrheitlichen Zustimmung der ostdeutschen SPD-Verbände, da diese anfangs noch glaubten sozialdemokratische Ideen in der neuen Partei unter zubringen. Natürlich übten die Sowjets in der Besatzungszone mächtig Druck aus. Wie viel Zwang oder freiwillige Bereitschaft seitens der Ost-SPD nun dahinter stand, darüber streiten die Historiker noch heute. Der heftigste Kritiker der Vereinigung war SPD-Politiker Kurt Schumacher, der in Hannover residierte. Ein ehemaliger Kriegsfreiwilliger im 1. Weltkrieg, KZ-Häftling und echter Volkstribun. Sein konsequenter Standpunkt hatte aber auch Anteil an seiner Wahl zum ersten SPD-Vorsitzenden in den drei westlichen Besatzungszonen – mit 244 von 245 Stimmen wurde der Kettenraucher der erste SPD-Chef nach dem Krieg. In West-Berlin waren die meisten SPD-Genossen damals zwar gegen die Vereinigung, aber für eine Zusammenarbeit mit den Kommunisten. Im Osten wurden SPD-Politiker, die gegen die Vereinigung waren, aus der SED geschmissen oder politisch kaltgestellt. Die SPD gab es ja nicht mehr. Einige gingen in den Westen. Befürworter wurden belohnt und geehrt.

Wilhelm Pieck (links) und Otto Grotewohl, 1949 Bundesarchiv, Bild 183-19000-3301 / Zühlsdorf / CC-BY-SA

Wilhelm Pieck (links) und Otto Grotewohl, 1949
Bundesarchiv, Bild 183-19000-3301 / Zühlsdorf / CC-BY-SA

Die Spitzenfunktionen in der SED waren auch gleichmäßig von ehemaligen SPD- und KPD-Leuten besetzt. Vorsitzende wurden SPD-Mann Otto Grotewohl und KPD-Mann Wilhelm Pieck, deren Stellvertreter Walter Ulbrich (ehemals KPD) und Max Fechner (ehemals SPD). Eigentlich ganz fair. Eigentlich? Ab 1948 wurden Spitzenposten in Partei, Wirtschaft und Verwaltung fast nur noch mit ehemaligen Kommunisten besetzt. Die Sowjets griffen dabei unter die Arme. 1949 wurde dann das Politbüro gegründet, dass mit 7 Mitgliedern und zwei Kandidaten den politischen Kurs vorgab. Darunter fungierte ein „Sekretariat“. Ganz nach dem Muster der sowjetischen KPDSU (Kommunistische Partei der Sowjetunion), die als alleiniges Vorbild diente. Logischerweise mussten sich alle Parteigenossen am Idol des geliebten Genossen Stalin orientieren, und dessen Werke aufmerksam studieren. Damit waren die Weichen gestellt. Die anderen Parteien wurden als sogenannte Blockparteien zu Statisten degradiert.

Stalin hatte seine Ziele früh genug klar gestellt: -2…wer ein Gebiet besetzt, erlegt ihm auch sein eigenes gesellschaftliches System auf. Jeder führt sein eigenes System ein, soweit seine Armee vordringen kann. Es geht geht gar nicht anders“. Und Walter Ulbrich lieferte 1945 gleich eine Bedienungsanleitung dazu: -3 „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben“. Der Historiker Hans-Ulrich Wehler drückte das Resultat ganz einfach aus:-4die totalitäre Parteidiktatur eines Kollaborationsregimes auf der Basis eines Okkupationskommunismus“.

Quellen:
-1: Robert Hofmann: Geschichte der deutschen Parteien; Originalausgabe 1993, München, Seite 293
-2: Tony Judt: Die Geschichte Europas seit dem zweiten Weltkrieg; Lizenzausgabe bpb, 2006, Bonn, Seite 156
-3: ebd., Seite 158
-4: Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte 1949-1990; Lizenzausgabe bpb, 2010, Bonn, Seite 23