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Republik ohne Republikaner

Die Kolonien und das Elsass waren futsch, Großmachtträume und Wohlstand hatten sich in Luft aufgelöst. Das stolze preußische Militär, das eine ganze Gesellschaft im Deutschen Kaiserreich dominierte, war auf mickrige 100.000 Mann geschrumpft, welche mit Papp-Panzern spielen durften. Die Flotte, des Kaisers Traum, musste sich mit 15.000 Mann zufrieden geben, und Schlachtschiffe gab es auch keine mehr. Eine Luftwaffe gab es gar nicht mehr, ehemalige Fliegerhelden verdingten sich als fliegende Postkuriere. Und was blieb für die Deutschen als Trost? Eine Republik! Derweil hackte der Ex-Kaiser in Holland Holz und gab Empfänge.

Kurz vor Ausrufung der Republik: Der SPD-Politiker Philipp Scheidemann spricht aus einem Fenster der Reichskanzlei zum Volk, 9. November 1918 Bundesarchiv, B 145 Bild-P011502 / CC-BY-SA

Kurz vor Ausrufung der Republik: Der SPD-Politiker Philipp Scheidemann spricht aus einem Fenster der Reichskanzlei zum Volk, 9. November 1918
Bundesarchiv, B 145 Bild-P011502 / CC-BY-SA

Diese Republik hatte nie eine gesellschaftliche Zustimmung wie das ehemalige Kaiserreich oder das folgende Dritte Reich. Es war eine Republik ohne Republikaner. Selbst Männer wie der geachtete Reichspräsident Paul von Hindenburg und der kurzweilige Kanzler bzw. erfolgreiche Außenminister Gustav Stresemann, die sich an die republikanische Verfassung gebunden fühlten, waren im Grunde immer Monarchisten geblieben.

Schon das Ausrufen der Republik, dass am 9. November 1918 durch den SPD-Staatssekretär Philipp Scheidemann und Karl Liebknecht, den Führer des Spartacus-Bund gleich zweimal zelebriert wurde, hielt den kommenden wirren Weimarer Jahre einen zukunftsweisenden Spiegel vor. Die Flucht der Regierung aus dem zwar traditionellen, aber momentanen unsicheren und umstürzlerischen Berlin ins beschauliche und kulturelle Weimar sprach nicht gerade für ein Vertrauen in eine staatliche Ordnung.

Die Republik war die ersten Jahre nur damit beschäftigt innere Unruhen unter Kontrolle zu bekommen. Von der alten Ordnung war nicht mehr viel übrig, eine Neue noch nicht etabliert. Auch wenn kein fremder Soldat bis Kriegsende deutschen Boden betreten hatte und Deutschland im Gegensatz zu einigen anderen europäischen Nationen als Kriegsschauplatz unversehrt blieb, so kam doch mit dem zurück fließenden Herr von 2,5 Millionen Soldaten eine moralische und gesellschaftliche Verwüstung in den Alltag. Die verlogene Dolchstoßlegende, welche die militärische Niederlage den Zivilisten in die Schuhe schob, tat ihr Übriges, das politische Klima zu vergiften. Eine Lösung der Probleme hatten besonders die Extreme parat – von Links und von Rechts. Befeuert von den Erfahrungen der Schützengräben und Perspektivlosigkeit ging der Krieg für die Freikorps und paramilitärischen Kampfverbände nun im Inneren weiter.