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Deutsches Kaiserreich

 

In den 1870er Jahren entdeckten die Deutschen, das Volk der Denker und Dichter,-1 dass sie sich auf dem Weg zu Macht und Weltbedeutung befanden und im militärischen und politischen Bereich nicht mehr Europas Amboss , sondern sein Hammer waren. Im Taumel der Euphorie wurde einiges geschluckt und übersehen. Die Soldaten waren nach dem Sieg über Frankreich die Helden der Deutschen, obwohl deren Offiziere einer aussterbenden Kaste, der Junker, angehörten: im wirtschaftlichen Aufschwung der Modernisierung ein bremsender Anachronismus, der sich über die Jahre in den Kämpfen zwischen konservativen und liberalen Strömungen auslebte. Die süddeutschen und katholischen Länder waren zwar nicht begeistert sich dem evangelisch-frömmelden Preußentum der Hohenzoller unterzuordnen – aber der Sieg über die dekadenten Franzosen, der Inbegriff der imperialen Macht, ließ auch dies in den Hintergrund treten – bis zum Kulturkampf, der über sieben Jahre die Innenpolitik im Kaiserreich vergiften sollte. Und das gemeine Volk? Das jubelte, vergessen war die Niederlage der Revolution von 1848, für die Otto von Bismarck als Stratege der Hohenzollern mit verantwortlich war. Man hatte sich an Frankreich gerecht und es war seiner Energie zu verdanken, dass die Menschen sich als Deutsche fühlten. Ein Obrigkeitsstaat war es von Anfang an, wofür die Sozialistengesetze und das Elend in den Arbeiterquartieren nur ein Detail war. Selbst das Bürgertum schwelgte in üppigen Sieges-Feiern über Frankreich – der Sedantag hielt diesen Zustand über Jahre am 2.September in Erinnerung. Welch ein Vermögen wurde allein für Denkmäler ausgegeben. Vorbei die anspruchslose Biedermeierzeit – es ging bergauf. Die Sozialgesetzgebung ab 1883 war Weltspitze und diente vielen Staaten als Vorbild. Das elektrische Licht ließ die Tage länger werden und die Gesellschaft wurde dank Eisenbahnen und Automobilen beweglicher – kurzum: das materielle Niveau stieg auf ein ungekanntes Maß. Die deutsche Industrie florierte – wenn auch in einigen Kurven. Made in Germany wurde geboren.

 

Quellen:
-1 Fritz Stern: Gold und Eisen; 2000, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Seite 236